Hintergrund Wissenswertes

Sicheres Rechnen, Lesen und Schreiben hilft beim Lernen

Ein Kind, das im Kopf gut rechnen kann, das flüssig liest und sicher schreibt, entwickelt in der Regel ein gutes Lerngefühl. Denn der meiste Schulstoff baut auf diesen Grundfertigkeiten auf. Wer sich so kompetent fühlt, kann selbstwirksam handeln und besser lernen.

Mein Kind will nicht üben?

Jedes Mal gibt's ein Riesentheater! Mein Kind weigert sich zu üben. Mit verschränkten Armen sitzt es unmotiviert auf dem Stuhl, schaut mich immer wieder mit drohenden Blicken an ... Kurz: Rebellion ist angesagt. In der Praxis berichten Eltern immer wieder von solchen Erfahrungen, die Energie rauben und weder für Eltern noch für Kinder gewinnend sind. Am Schluss stehen beide da und sind frustriert.

Solange günstige Lernbedingungen bestehen, darf ich von einem Kind während fünf bis zehn Minuten verlangen, sich aufs Lernen einzulassen. Aber wenn das Gehirn auf Reaktion und Abwehr programmiert ist, helfen keine noch so sinnvollen und vernünftigen Argumente. Für solche Situationen gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Als Eltern müssen wir uns zuerst Fragen stellen:

  • Warum will das Kind nicht üben?
  • Gibt es Erfolgserlebnisse beim Üben?
  • Vertraut das Kind auf seine Lernfähigkeiten?

 

Kinder mit Lernschwierigkeiten haben häufig ein geringes Selbstvertrauen: "Math ist eh zu schwierig" oder "Ich mache sowieso wieder viele Fehler", heisst es dann. Mit einer negativen Grundeinstellung ist die Frustrationstoleranz eher gering. Da ist es verständlich, wenn Kinder das Handtuch werfen und gar nicht mit Üben beginnen wollen. Sie wollen sich schlicht Ärger und Frust ersparen.

Deshalb sind Erfolgserlebnisse besonders wichtig: Loben Sie Ihr Kind, zeigen Sie Freude, wenn ihm etwas gelingt. Die Übungen von Lernavanti sind so aufgebaut, dass Erfolg und Fortschritte garantiert sind.

Eine positive Beziehung schafft eine angenehme Lernatmosphäre. Kinder wollen Eltern gefallen. Sie wollen zeigen, was sie können. Vielfach fällt es Eltern schwer, mitanzusehen, wenn das Kind nach dem x-Anlauf denselben Fehler immer noch macht. In solchen Situationen rutschen dann nicht selten Elternsätze aus wie: "Jetzt streng dich doch mal an" bis hin zu "machst du es eigentlich absichtlich?" Solche Sätze können die Beziehung strapazieren, was sich auf die Lernatmosphäre ungünstig auswirkt.

Gerade lernschwache Kinder sind auf ruhige, sachliche Eltern angewiesen. Diese Haltung ist eine grosse Herausforderung. Vor allem wenn ich mir Mühe gebe, nicht mehr zu kritisieren, aber mit meiner Köpersprache Unmut zeige und etwa die Augen verdrehe ... Kinder spüren das sofort.

Jedes Kind will erfolgreich sein. Es ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen, sich kompetent zu fühlen. Manche Kinder und Teenager wollen den Anschein erwecken, über der Sache zu stehen: "Ich brauche im Franz keine guten Noten ..." oder ähnliches. Ich habe aber schon so oft erlebt, wie die gleichen Jugendlichen bei Erfolgserlebnissen strahlende Augen hatten, trotz cooler Körperhaltung ...

Erwartungen müssen klar sein. Es gibt Kinder, die lassen sich für ein Lerntraining nicht begeistern. Geringes Selbstvertrauen oder eine gespannte Lernatmosphäre können verantwortlich sein. Manchmal kommt aber einfach Bequemlichkeit in die Quere. Das kennen wir Erwachsene genauso gut. Es ist normal, dass Kinder lieber spielen möchten und mehr Spass als Anstrengung suchen. Es ist ungünstig, ein Kind aus einer geliebten Aktivität herauszureissen, um zu üben. Deshalb braucht es eine klare Position, wann geübt werden soll.

Kinder brauchen die natürliche Autorität der Eltern. Das hat nichts mit Macht zu tun, sondern mit Stärke. Die Eltern müssen Verantwortung für eine gesunde Schulentwicklung einnehmen. Ein Kind kann langfristige Konsequenzen noch nicht abschätzen. Es bedarf einer bestimmten und liebevollen Führung der Eltern. So können Eltern bestimmend, aber respektvoll an eine kurze Lernsequenz erinnern, die gemeinsam durchgeführt wird. Kurz und klar.

So gehen Sie vor:

  1. Nehmen Sie Blickkontakt auf.
  2. Gehen Sie auf Augenhöhe mit Abstand einer Armeslänge.
  3. Sprechen Sie Ihr Kind mit Namen an.
  4. Formulieren Sie kurz und klar, was Sie erwarten. Z.B.: "Moritz, es ist Übungszeit, ich möchte dass du an den Tisch kommst, damit wir anfangen können."
  • Vermeiden Sie es, durch den Raum zu rufen, in abschätzigem Ton zu reden oder eine unpassende Körpersprache zu zeigen.
  • Für viele Kinder ist es hilfreich, wenn Sie  fünf oder zehn Minuten vor der vereinbarten Trainingszeit das Kind daran erinnern.
  • Geben Sie positive Rückmeldungen, wenn sich Ihr Kind verbindlich zeigt.

 

Und wenn Kinder negativ auf sich aufmerksam machen?

Schenken Sie negativer Aufmerksamkeit keine Beachtung. Bleiben Sie beharrlich und vermitteln Sie klar und gelassen die Botschaft: "Ich möchte mit dir jetzt üben und nicht diskutieren." Hilfreich ist die Lernzeit-Müllzeit-Strategie. Sie unterscheiden drei verschiedene Zeiten:

  • Lernzeit: Bei der Lernzeit bin ich konzentriert am Lernen/Üben, mache mit, zeige Interesse und gebe mir Mühe, den Sachgegenstand richtig zu machen.
  • Freizeit: In der Freizeit ist geniessen, chillen angesagt. Ich widme mich Aktivitäten, die ich gerne ausführe wie Fussball spielen, gamen, usw. In der Freizeit gehe ich meinen Hobbies nach.
  • Müllzeit: Müllzeit ist verschwendete Zeit. Diese produziere ich dann, wenn zum Beispiel Lernen angesagt ist, aber ich schwatze, mache blöd, schaue dauernd aufs Handy, usw. Insofern ist es Müllzeit und keine Freizeit, weil ich die Ablenkungen eigentlich nicht geniessen kann.

 

Ein Beispiel: Das Kind will mit mir über Sinn und Unsinn dieser oder jener Hausaufgabe bzw. Lernübung diskutieren. Anstatt einfach loszulegen (Lernzeit), weigert es sich (Müllzeit). Ruhig und sachlich zeige ich meinem Kind auf, dass ein Diskutieren oder Jammern jetzt wenig bringt, im Gegenteil: Freizeit geht verloren!  

Oder ein Beispiel aus der Schule: Die Lehrerin erklärt etwas an der Wandtafel. Anstatt zuzuhören (Lernzeit), schwatze ich mit meinem Pultnachbar lieber über das gestrige Champions-League-Spiel (Müllzeit). Natürlich habe ich kurzfristig Spass, langfristig heimse ich mir aber Ärger und Frust ein...

Diese drei Zeiten sind ein innerer Verhaltenskompass und vermitteln dem Kind Orientierung.

Wie wäre es mit einer Belohnung?

Über Belohnungen scheiden sich die Geister. Wenn aber die oben genannten Strategien nicht sinnvoll eingesetzt werden können, kann eine Belohnung ein alternativer Lösungsansatz sein. Beachten Sie aber, dass die Belohnung beziehungsorientiert ist und auf eine gewisse Zeit beschränkt ist. Ein Beispiel: "Wir üben jetzt 10 Minuten Rechnen, anschliessend spielen wir 10 Minuten UNO."

Belohnungssystem mit Kärtchen

Sollte Ihnen nach dem Üben die Zeit zum Spielen fehlen, können Sie auch folgendes Belohnungssystem anwenden: Legen Sie vier Smileys auf den Tisch. Sie sind die maximal vergebene Punktezahl pro Lernsequenz. Das heisst: Schafft es Ihr Kind, während der Trainingszeit konzentriert mitzumachen, kann es vier Punkte sammeln. Bei 30 erreichten Punkte bekommt es eine Belohnung, die sie miteinander vereinbaren (gemeinsam etwas unternehmen ;-)). Sobald Ihr Kind aber während der Übungszeit eine aktive oder passive Verweigerung zeigt, nehmen Sie ihm jedes Mal ein Smiley weg. Am Schluss der Sequenz wird "abgerechnet". Notieren Sie die erreichten Smileys auf einer Liste. In den meisten Fällen ist die Methode effektiv. Das Kind bemüht sich und trägt so zu einer positiven, angenehmen Lernatmosphäre bei. Diese Erfahrung bestärkt das Kind in seinen eigenen Ressourcen bzw. Selbstregulierung.