Wir haben vier seelische Grundbedürfnisse. Das Bedürfnis nach:

1. Positiven Beziehungen statt Konflikten.

2. Sozialer Anerkennung statt Blossstellung.

3. Kompetenz/Leistung statt Kontrollverlust.

4. Vergnügen statt Langeweile.

Werden diese Bedürfnisse im Grossen und Ganzen gestillt statt verletzt, ist das Kind beim Lernen konzentriert, motiviert und mental gestärkt. Hier ein paar Gedanken. 

Konzentration und Lernvideo

Wir jammern oft über unkonzentrierte oder undisziplinierte Kinder. Es wäre zu einfach zu sagen, dass die Eltern oder die Lehrpersonen daran Schuld sind. Den Hauptgrund sehe ich vielmehr darin, dass unsere moderne Gesellschaft im Optimierungszwang, in der Informationsüberflutung, in dem unübersehbaren Angebot von Wahlmöglichkeiten sich fortbewegt. Das Abhaken von "To-Do-Listen" (oder "To-Be-Listen") wird immer länger . 

Wie können da unsere Kinder zur Ruhe kommen? Umso mehr brauchen Kinder und Jugendliche von heute erwachsene Vorbilder, die ihnen authentisch (vor-)zeigen, wie man in dem Hyperfluss zur Ruhe kommt. 

Nach zu viel Müllzeit hat man das Gefühl: Ich bin überhaupt nicht vorwärtsgekommen und hatte auch nichts von der Zeit.

Ich frage den Schüler die 7er Reihe ab, die er zu Hause, wie besprochen, hätte üben sollen. Er kann sie nicht.

Ich: "Was bringt dich weiter, wenn du drei Minuten am Tag an einer Reihe übst, wie ich es dir gezeigt habe oder gar nicht?"

Schüler: "Drei Minuten"

Wortlos schauen wir uns an.

 

Ablenkung macht müde. Jedes Mal, wenn man sich ablenkt, sinkt das Level der Konzentration. Um es wieder hochzufahren, benötigt man zusätzliche Energie. Das Auf und Ab ist sehr ermüdend.

Ein Schüler gibt sich trotz Schwierigkeiten in Mathe Mühe. Als er zu mir schaute, habe ich meine Freude mit einem Augenzwinkern erwidert. Was für ein magischer Moment war dies, für beide. Konzentriert hat er weitergearbeitet.

 

Eine Schülerin rechnet mit mir, sie hat grosse Schwierigkeiten. Sie gibt sich Mühe.

Ich: "Weisst du, was mir eben gefallen hat?"

Schülerin: "Nein"

Ich: "Wie du dich konzentriert hast, du warst voll bei der Sache, cool, mach weiter so!" 

Die Schülerin lächelt zufrieden. 

Ich bin kein Verfechter von Ritalin. Wie oft habe ich aber schon erlebt, wie sich Schüler*innen nach unzähligen misslungenen Interventionen der Eltern oder Lehrpersonen nach der Einnahme von sorgfältig dosierten methylphenidaten Präparaten (Ritalin, Concerta, u.a.) endlich auf das Lernen einlassen konnten. Eltern, Lehreprsonen, Trainer*in, usw. konnten sich auf einmal entspannen. Und insbesondere der/die Schüler*in selbst.

Da ist es legitim, ernsthaft der Frage nachzugehen, was jetzt dem Kinde besser tut. Ein System, das sich beruhigen kann und merklich positiver auf das Kind reagiert oder weiterhin ein Kind, dass dauernd in die Ecke gewiesen wird, weil es nicht tragbar ist, Stress pur für das Kind. 

Klar ist: Mit Ritalin alleine ist es nicht getan, es braucht zusätzlich systemtherapeutische, professionelle Begleitung.