Wir haben vier seelische Grundbedürfnisse. Das Bedürfnis nach:

1. Positiven Beziehungen statt Konflikten.

2. Sozialer Anerkennung statt Blossstellung.

3. Kompetenz/Leistung statt Kontrollverlust.

4. Vergnügen statt Langeweile.

Werden diese Bedürfnisse im Grossen und Ganzen gestillt statt verletzt, ist das Kind beim Lernen konzentriert, motiviert und mental gestärkt. Hier ein paar Gedanken. 

Selbstvertrauen und Lernvideo

 

Video zu Selbstvertrauen folgt 2023

Die Schülerin zeigt mir einen NMG-Test mit der Note 3. Ihre Mutter ist genervt! "Schau Romeo, sie ist einfach faul". Die Tochter erwidert mit Tränen in den Augen: "Das stimmt gar nicht"

Ich: "Okay, schauen wir mal den Test genauer an"

Beim Durchgehen haben wir alle drei festgestellt, dass die Schülerin von den sechs Aufgaben vier Aufagben erfüllt hat, zwei sogar sehr gut erfüllt. Nur bei einer Aufgabe hat sie schlecht abgeschnitten (2,5 von 12 Punkten). 

Ich: "Hey, du hast ganz viel richtig gemacht. Ich bin auch ein bisschen stolz auf dich, denn von sechs Aufgaben hast du vier bestanden, einzelne sogar hervorragend. Nur dieses Thema hast du wohl noch nicht ganz verstanden und dich wahrscheinlich zu wenig gut darauf vorbereitet."

Schülerin: "Ja, das stimmt."

Die Gesichtszüge der Mutter entspannten sich, die Tochter ist sichtlich erleichtert. 

 

 

Unser Gehirn festigt die negativen Erfahrungen mehr als die Positiven. Umso wichtiger: Auf eine Kritik sollten in der Regel drei positive Rückmeldungen folgen.

Unser zentrales Nervensystem ist darauf angelegt, sich in einer sicheren und geborgenen Umgebung zu bewegen. Dann kommt Gelassenheit, ein entscheidender Zustand um ruhig denken, kombinieren, abstrahieren zu können.

Mensch Papa!

Wenn ich das Kind beim Lernen anschimpfe, einen genervten Blick habe oder negativ bewerte mit «falsch», «nein, das stimmt nicht», «überleg doch mal», usw., steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich den hinteren Teil des Hirns anspreche, das Reptilienhirn. Dieser ist reaktiv und primitiv, das Kind schaltet in eine defensive Haltung oder reagiert mit Angriff.

Wenn ich beim Lernen ruhig und sachlich bleibe, anstatt zu bewerten nur mit dem Finger kommentarlos auf den Fehler zeige, das Kind auf seine richtige Erkenntnis hin unmittelbar bestärke mit Worten wie «richtig», «genau», usw. , so spreche in den vorderen Teil des Hirns an, den Frontalkortex. Dieser Bereich ist in der Lage, Logik, Mitgefühl und Einsicht zu empfinden.

Und was ist mir gestern passiert? Ich habe meiner Tochter beim Schreiben genervt und lautstark gesagt: "Falsch, überleg doch endlich mal ein bisschen!" 

Sie hat mich angeschaut und gemeint: "Wegen dem muss du ja nicht gleich genervt sein Papa, so habe ich keine Lust mehr".  

Mensch, Romeo!

Viele Kinder lenken sich ab, weil sie sich nicht kompetent genug fühlen und nicht, weil sie faul sind.

In was für eine Stimmung kommst du, wenn du dir selber sagst: "Ich bin dumm, ich kann das nicht, es ist zu schwierig"? Wie würdest du zu deinem Freund/deiner Freundin reden, wenn er/sie so zu sich spricht? 

Unser zentrales Nervensystem liest konstant die Umgebung oder den Mitmenschen auf die Signale: Sicherheit oder Gefahr? Gerade Kinder mit Lernschwierigkeiten sind sehr verunsichert. Umso wichtiger ist es, sie spüren zu lassen, dass sie Fehler machen dürfen.

Was Kinder mit Lernschwierigkeiten brauchen, sind zwingend Erfolgserlebnisse. Ein Lob, eine Ermutigung, ein Vermerk auf Fortschritte. Das stärkt sie!  

Das Nervensystem der Lehrperson oder der Eltern beeinflusst das Nervensystem der Kinder. Kinder sind in der Entwicklung, deshalb sind sie oft abhängig von Erwachsenen.

Umso mehr tragen Erwachsenen die Verantwortung, ihr eigenes Nervensystem zu regulieren. Was tut mir gut? Wie kann ich «runterfahren», mich beruhigen?

60% der Eltern haben bei einer Forschung zugegeben, dass sie zu viel auf die Kinder einreden. Anstatt zu reden, nehmen Sie Ihr Kind wahr, hören Sie zu, und wohl das Wichtigste: Schätzen Sie ihr Kind und nehmen Sie Augenkontakt auf, das spürt es augenblicklich.

Kinder werden heute mehr denn je therapiert. Aber wie viele Traumata tragen Erwachsene mit sich herum?

Was SchülerInnen heute mehr denn je brauchen, ist die Methoden- und Selbstkompetenz. Das Wissen kann ich mir im Internet selber schnell aneignen. Wie man effektiv lernt und mit negativen Lerngefühlen umgeht, dafür braucht es aber professionelle Begleitung. Im Zuge des Lehrplans 21 entwickelt sich dieses Bewusstsein immer mehr.

Wir sprechen häufig von unseren Sorgen und darüber, was nicht gut läuft. Das «triggert» uns in negativen Gedanken und Gefühlen. Wir vergessen aber oftmals die "Glimmer" unserer Kinder (Talente, worin es sich wohl fühlt, was gut läuft, usw.). Eine kurze mentale Übung für jeden Tag: Verinnerlichen Sie vor dem Schlafengehen schöne Momente mit Ihrem Kind.

Eine Abklärung ist nicht gegen das Kind, sondern für uns Erwachsene, damit wir konkreter unser Kind unterstützen können.

Je mehr negative schulische Erfahrungen das Kind macht, umso stärker spreche ich den hinteren Bereich des Gehirns (Reptiliengehirn) an. Es ist zuständig zu flüchten, anzugreifen oder sich «tot zu stellen».